Michael A. Hartenstein
Die Geschichte der Oder-Neiße-Linie
2. aktualisierte und überarb. Auflage 2007
© 2006 Olzog Verlag GmbH, München
Internet: www.olzog.de
ISBN: 978-3-7892-8218-8
286 S., geb., zahlr. Abb. u. Krt., 24,90 €
Amazon-Kundenbewertung: *****
Kundenrezension: "Our family came to this country (US) from eastern Pomerania in 1877. My father served in the US Army, 66th Division, in Europe during World War II. I was born in 1948, after the Expulsion was over and done.
No one in my family considers the Stalin Line along the Oder-Neisse to be
Germany's just and final border. The reason? A sense of justice, which would dictate this conclusion even if the nation so affected were not that of our forefathers. Any German with a spine should feel the same way."
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Im Zeitalter von Bungee-Jumping und Rafting braucht es schon etwas mehr als den Besuch in der Geisterbahn, um das Gruseln zu lernen. Eher unbeabsichtigte, dafür aber immerhin recht preiswerte Abhilfe schaffte hier die unlängst wieder aufgegriffene Kampagne gegen Erika Steinbach, die unter dem Motto „Erika Steinbach schlagen, heißt das Vertriebenenzentrum treffen“, stand. Der im doppelten Sinne historische Offenbarungseid, den nach den üblichen linkspopulistischen Trommlern nun auch der sonst gar nicht so linke Außenminister, aber auch Teile der offenbar gar nicht gut informierten Medien ablegten, ließ es einen eiskalt den Rücken herunter laufen.
Hätten die Protagonisten großpolnischer Rechtfertigungsversuche das Buch von Hartenstein nur überflogen, querlesen hätte wahrscheinlich schon gereicht, ihnen wäre bewusst geworden, wie absurd die Argumentationsversuche der Relativierer und Vertreibungsrechtfertiger sind, und was von dem Versuch, die Vorgeschichte der Vertreibung doch bitte erst 1939 beginnen zu lassen, zu halten ist.
Die Oder-Neiße-Linie ist ein Resultat des Zweiten Weltkriegs, aber auch ein zwangsläufiges? Das Deutsche Reich (bezogen auf seine Grenzen von 1937, also die durch den Versailler Vertrag definierte Weimarer Republik) verlor auf diesem Weg noch einmal ein Viertel seine Territoriums. Etwa 10 Millionen Deutschen mussten aus ihrer angestammten Heimat flüchten oder wurden gewaltsam vertrieben. Kleine Leute, die allermeisten, verloren das über Generationen mühsam aufgebaute und angesparte, erlebten unsagbare Grausamkeiten, wurden vergewaltigt, gefoltert und ermordet.
Ihr "Verbrechen": sie lebten, oft schon über viele Generationen, nicht selten über Jahrhunderte, in jenem Teil Deutschlands, der nicht weniger deutsch war, als Heidelberg, Göttingen oder Ludwigs Schloss Neuschwanstein, auf den aber auch ein sich in größenwahnsinnigen Allmachtsphatasien berauschender, gewaltätiger polnischer Chauvinismus schon lange vor dem Zweiten Weltkrieg, vor Hitlers Machtergreifung, ja noch vor der Neugründung des Staates Polen überhaupt ein Auge geworfen hatte. Die gegen Deutschland gerichtete Garantieerklärung des britischen Weltreichs sowie Frankreichs bot die Gelegenheit, diesen lange gehegten polnischen Traum von einem Großpolen auf Kosten eines sonst kaum zu bezwingenden Nachbarn zu realisieren.
Das Buch von Michael Hartenstein beschäftigt sich mit den Fragen: Wie kam es zur Oder-Neiße-Linie? Wer wollte diese Grenze seit wann und aus welchen Gründen? Wer hat die Oder-Neiße-Linie tatsächlich als Staatsgrenze durchgesetzt und verwirklicht? War im Grunde Hitler schuld an der Oder-Neiße-Grenze und damit an der Vertreibung der Ostdeutschen? Gab es je eine Möglichkeit der Revision dieser Grenze? War die neue deutsch-polnische Grenze als gemeinsamer Beschluss der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges eine Folge der Potsdamer Konferenz? Der Autor stellt die Geschichte der Oder-Neiße-Linie erstmals zusammengefaßt von ihrer Vorgeschichte im 19. Jahrhundert bis zur völkerrechtlichen Anerkennung im Jahr 1990 dar.
Schwerpunkt des Buches sind die Jahre 1939 bis 1950. Hartenstein kommt zu dem fundierten und pointierten Ergebnis, das der derzeitigen "offiziellen" Geschichtslesart in Deutschland und Polen nicht gerade entspricht: Die Oder-Neiße-Linie als Westgrenze Polens verbunden mit der "Umsiedlung" war keine Polen bei der Potsdamer Konferenz verordnete alliierte Lösung eines Grenzproblems, sondern die energisch betriebene Verwirklichung von lange bestehenden und öffentlich formulierten Zielen des polnischen Nationalismus. Der von Deutschland verlorene Zweite Weltkrieg öffnete mit Hilfe der Sowjetunion der Verwirklichung dieser polnischen Ziele ab Jahresbeginn 1945 Tür und Tor.