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"There`s no business like Shoah-business"

 

Richard Chaim Schneider Fetisch Holocaust

Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust wird immer mehr durch persönliche Interessen, Betroffenheitsbekundungen und Vermarktungs-strategien geprägt. Die Folge sind Spiegelfechtereien über die Geschichte; Opfer und Täter geraten dabei aus dem Blickfeld.

In Erinnerung an Henry Schwarzschild s.A. -
dem Holocaust-Überlebenden, dem Kämpfer für Gerechtigkeit, dem Zyniker, dem lachenden Pessimisten, dem gottlosen Gläubigen, einem der Lamed-Waw seiner Generation.

Das Medienspektakel, das sich in Deutschland um Daniel Jonah Goldhagens Thesen über die Entstehung des Holocaust entfaltet hat, bestätigt einmal mehr den zynischen Spruch israelischer und amerikanischer Juden: "There`s no business like Shoah-business."

Die Shoah (hebräisch für Holocaust) ist längst zu einem Sujet geworden, mit dem sich trefflich Geld verdienen läßt. Das ist nicht nur in Deutschland so, sondern auch in den USA und Israel. Doch es geht nicht nur um Geld. Viele, die sich am Shoah-business beteiligen wittern Ruhm, Ehre und Anerkennung, wenn sie öffentlich in irgendeiner Form zu diesem Thema Stellung beziehen. Betroffenheit und Engagement, wie man sie vor allem hierzulande immer wieder im Rahmen von Holocaust-Diskussionen vorfindet, sind häufig nur scheinheilige Tarnungen persönlicher Eitelkeiten und eigennütziger Interessen. Das öffentliche Diskutieren über den Holocaust in den Medien, die politische und historische Aufarbeitung des Holocaust - all dies hat sich längst verselbstständigt und eine Eigendynamik entwickelt, so daß das eigentliche Thema - die Judenvernichtung - in den Hintergrund geraten ist. Am Fetisch Holocaust berauschen sich die Sinne, die ansonsten den Holocaust allzugern verdrängen.

Richard Richard Chaim SchneiderChaim Schneider wurde 1957 in München geboren. Nach dem Studium der Germanistik, Theaterwissenschaft, Philisophie und Kunstgeschichte war er als Dramaturg und Regisseur in Amsterdam, Bonn, München und Wien tätig. Seit 1987 arbeitet er als Autor und Journalist für Zeitungen, Zeitschriften und Hörfunk in Deutschland, Österreich und der Schweiz, seit 1990 auch für die ARD. Im Kindler Verlag erschienen: "Zwischenwelten. Ein jüdisches Leben im heutigen Deutschland."