Der Prachtband, der neue Perspektiven eröffnet! Verständlich geschrieben und reich illustriert mit über 3000 Fotografien, Grafiken, Zeichnungen und Karten führt dieses grandiose Nachschlagewerk den Leser durch die ganze Geschichte der Menschheit - von ihren Anfängen bis heute. Im ersten Teil des Buches werden die wichtigsten historischen Entwicklungen dargestellt - unterteilt nach Epochen und ergänzt durch Ausblicke auf ihre historische Tragweite. Teil zwei gibt einen umfassenden chronologischen Überblick über die individuelle Geschichte von rund 139 Ländern. Vorher-Nachher-Vergleiche und Querverweise auf Ursachen, Parallelereignisse und langfristige Konsequenzen verdeutlichen dabei überregionale historische Zusammenhänge. Mit einem Vorwort von Prof. Hans Ottomeyer vom Deutschen Historischen Museum in Berlin.
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Die Unterschriften der Signatarstaaten unter der Wieder Kongreßakte
Der Wiener Kongress (01.11.1814 bis 09.06.1815)
Nach der Niederlage Napoleons bei Waterloo wurde auf dem über die Neugestaltung Europas entschieden. Den Vorsitz führte der österreichische Fürst Metternich, Russland wurde durch Kaiser Alexander I., Preußen durch Friedrich Wilhelm III., Frankreich durch Talleyrand, Großbritannien durch Castlereagh und Wellington vertreten.
Dem Wesen ach war der Wiener Kongress das genaue Gegenteil des gut 100 Jahre unter der Leitung der Ententemächte erfolgten Versailler "Verhandlungen". Der unter der Leitung des österreichischen Fürsten Metternich stattfindende Wiener Kongress war in jeder Hinsicht dauaf angelegt, zwischen den europäischen Mächten faire Bedingungen auszuhandeln, die neben der Weiderherstellung der alten Ordnung vor allem auf die Gewährleistung eines dauerhaften Friedens in Europa abzielten. Mit diesem Ziel wurden auch eine Reihe territorialer Neuordnungen beschlossen, die insbesondere den Interessen des besiegten Frankreichs weit entgegen kamen.
Von der Herstellung eines selbstständigen Staates Polen wurde abgesehen, der überwiegende Teil des Herzogtums Polen wurde statt dessen der Verwaltung des russischen Zarenreichs unterstellt, wodurch in dieser Region für rund 100 Jahre friedliche Verhältnisse gewährleistet werden konnten.
Teile mit erheblichen deutschen Bevölkerungsanteil, wie die Provinz Posen wurden auf einstimmigen und völkerrechtlich verbindlichen Beschluss der Vertragsmächte hin ebenso wie die nördliche Hälfte Sachsens, Neuvorpommern, Westfalen und die Rheinprovinz dem Staat Preußen angegliedert.
Österreich bekam zusätzlich zu seinen früheren Besitzungen die Lombardei und Venetien, verlor jedoch die südwestdeutschen Gebiete und die vormals österreichischen Niederlande (entsprach dem heutigen Belgien), die mit Holland zum Königreich der Vereinigten Niederlande zusammengeschlossen wurde.
Die Schweiz erhielt mit dem Wallis, Neuenburg und Genf drei neue Kantone sowie die Garantie ihrer immer währenden Neutralität.
Mit großer Ernsthaftigkeit wurde auf dem Wiener Kongress auch die Möglichkeit geprüft, das Herzogtum Polen in einen selbstständigen Staat umzuwandeln. Die Chancen hierfür standen insofern nicht schlecht, als bei keinem der Teilnehmerstaaten der ernsthafte Wunsch zu erkennen war, seine Bevölkerung um mehr als das unbedingt notwendige Maß an Polen zu ergänzen. Dem gegenüber standen Zweifel, inwieweit die polnische Volksgruppe überhaupt in der Lage war, einen stabilen Staat zu bilden, und inwieweit von diesem Staatsgebilde eine Gefährdung der neuen europäischen Friedensordnung ausging. Aspekte, die dem bis heute übermäßig ausgebildeten polnischen Nationalismus sicher nicht schmeicheln, aber noch über 100 Jahre später, bei der (zweiten) Neugründung des polnischen Staates durch die alliierten Siegermächte des ersten Weltkriegs eine nicht unbedeutende Rolle spielten (siehe hierzu auch: Jan Chr. Smuts, Vertreter Großbritanniens auf der Versailler Friedens-Konferenz, an den britischen Premierminister Lloyd George). Tatsächlichdauerte es nur wenige Monate, bis der neu gegründete, und schon damals auf Kosten seiner Nachbarn großzügig geschnittene polnische Staat seinen ersten Nachbarn militärisch überfiel und in den nur rund 20 Jahren seines bestehen gegen so gut wie jeden seiner Nachbarn aggressiv wurde, bis schließlich seine von Großbritanien und Frankreich durch kriegstechnische Blankoschecks geförderte Konfrontaionshaltung in der Frage eines für das deutsch gebliebene Ostpreußen lebenswichtigen Korridirs durch den Korridor zur deutsch-polnischen Krieg führte, der heute, teils aus politisch-taktischen Gründen, teils aus Unkenntnis gerne mit dem Beginn des zweiten Weltkriegs gleichgesetzt wird. Es mag daher im Nachhinein durchaus verständlich erscheinen, dass sich die damaligen Staaten Europas zu der von Polen gerne beklagen "zweiten polnischen Teilung", konkret zur Verwaltung der Herzotums Polens (auch "Kongresspolen") durch das russische Zarenreich entschieden. So sehr dies auch von polnischen Nationalisten beklagt werden mag, war es doch ein Schritt, der dieser Region beinahe 100 Jahre Frieden und Stabilität bescherte.
Auch wenn der bis heute von archaischer Leidenschaft geprägte, polnische Chauvinismus wie alle Formen des Extremismus eine beachtliche Suggestivkraft entfaltet, sollten sich insbesondere deutsche Politiker hervon nicht die Sinne vernebeln lassen, und mit der gleichen Beharrlichkeit wie jedes andere Volk, das noch ein Minimum an Selbstachtung besitzt, an der Korrektur und Wiedergutmachung des gegenüber Deutschland begangenen und durch nichts zu relativerenden Unrecht arbeiten.
An die Stelle des 1806 aufgelösten Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation trat der Deutsche Bund, dessen Bundesakte Bestandteil der Wiener Kongressakte vom 09.06.1815 wurde, die später noch mal durch die Wiener Schlussakte ergänzt wurde.