Amicus Plato, sed magis amica veritas
(Platon ist mir lieb, doch noch lieber ist mir die Wahrheit.)
Aristoteles
Fast noch treffender wäre die Bezeichnung "Zweckdienliche Legenden", denn historisch, das impliziert ja, dass es sich um einen Sachverhalt aus der Vergangenheit handelt, was im Prinzip richtig ist, aber auch, dass die Sache im Wesentlichen erledigt, abgeschlossen sei, was alles andere als richtig ist.
Eine Legende, das ist eine vor allem im Mittelalter gebräuchliche, "kurze, erbauliche religiöse Erzählung über Leben und Tod oder auch über das Martyrium von Heiligen". Und so, wie im Mittelalter die Legende mit ihrer geistig leicht verdaulichen Differenzierung von Gut und Böse zur religiösen Erziehung der und Heranziehung von Untertanen eingesetzt wurde, dient sie heute, im Zeitalter der Massenmedien mit millionenfacher Wirkung, ebenso weniger der Wahrheitsfindung als der Zementierung bestimmter Geschichtsbilder. Dabei sind diese Geschichts- oder Weltbilder keineswegs etwas rein Akademisches, alles andere als reine Theorie, denn die hier festgeschriebenen Glaubenssätze und die so implizierten Wertungen liefern letztlich die Axiome für unsere ganz reale Weltordnung.
Wie kaum ein zweites Land ist Deutschland das Objekt wohl kalkulierter Entstellungen und Verzerrungen historischer Zusammenhänge. Beschränkte sich die deutschfeindliche Hetze im Vorfeld und mit nie gekannter Intensität während des ersten Weltkriegs im Wesentlichen "nur" auf das Ausland, entfaltet sie heute, in der von den Siegermächten des zweiten Weltkriegs determinierten Bundesrepublik, in den, abgesehen von oberflächlichen Plänkeleien, faktisch gleichgeschalteten deutschen Medien selbst ihre größte Wirkung. Im Vergleich mit der Wirksamkeit der Massenmedien heute erscheint der vielbeschworene Goebbelsche Propagandapparat rückblickend eher wie eine etwas garstig geratene Schülerzeitung, wobei heute an die Stelle eines aus der Verzweiflung gewachsenen, hysterischen Nationalismus ein ungleich subtilerer, dafür aber omnipräsenter und auf lange Sicht nicht minder verheerender Nationalmasoschismus getreten ist.
Auf dieser Website wird es daher vor allem um die Geschichte Deutschlands, aber auch um jene äußeren Einflüsse gehen,
die das Schicksal unseres Landes bis in unsere Tage maßgeblich beeinflussen. So weit die deutschen Zensurbestimmungen und äußere Zwänge es zulassen, werden einfache Sachverhalte beschrieben, nicht überall verfügbare Quellen und Dokumente verfügbar gemacht und historische Fragwürdigkeiten hinterfragt werden. Mit bescheidenen Mitteln soll hier ein Beitrag zur Überwindung des gegenwärtigen, von politischem und persönlichem Opportunismus geprägten, geistigen Inzests geleistet werden. Es ist, wie der tschechische Bürgerrechtler Václav Havel es formulierte, der "Versuch, in der Wahrheit zu leben".
Dr. Gerhard Großkurth
Göttingen & Ulm im August 2002

