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Kaiser Wilhelm I.

 

Kaiser Friedrich III.

wurde als Kronprinz Friedrich Wilhelm am 18. Oktober 1831 in Potsdam geboren. Im Unterschied zu seinem monarchistisch orientiertem Vater zeigte er offen Verständnis und Sympathie für die bürgerlichen liberalen Strömungen der Zeit. Diese Einstellung, die in der Konsequenz die monarchistische Vorherrschaft in Frage stellte, führte schließlich 1862 zu offenen Meinungsverschiedenheiten mit Bismarck. In seiner liberalen Grundhaltung wurde er durch seine Frau, der britischen Prinzessin Viktoria bestärkt, der der militant forsche Habitus der preußischen Aristokratie stets fremd blieb. Sie zog es vor die herausragenden liberalen Geister Deutschlands um sich und ihren Mann zu versammeln.

Hätte Friedrich Wilhelm nur gewollt, wäre er bereits in frühen Jahren zum preußischen König gekrönt worden. Denn bereits 1862, genau am 17. September, hatte sich sein Vater, König Wilhelm I., angesichts unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten mit dem Parlament zur Abdankung entschlossen und seinen Sohn um die Übernahme des Königsthrons gebeten. Während dieser noch aus Loyalität und Achtung vor seinem Vater zögerte, telegrafierte der damalige Verteidigungsminister Roon seinem Protege, dem Grafen Bismarck, dass seine Stunde gekommen sei. Dieser brach daraufhin seinen Spanienurlaub ab, und traf nach 25stündiger Bahnfahrt in Berlin ein. Roon gelang es eine Audienz für Bismarck beim König zu arrangieren, der dieser nur sehr zögerlich und gegen den entschiedenen Rat seiner Frau sowie enger Mitarbeiter zustimmte. Aber schließlich, was hatte er in dieser verfahrenen Situation zu verlieren.

Am 22. September empfing Wilhelm I. Bismarck in seiner Sommerresidenz in Babelsberg und ernannte ihn, nachdem man sich über die Grundlinie der Politik geeinigt hatte, nicht nur zum preußischen Ministerpräsidenten, sondern auf Bismarcks ausdrücklichen Wunsch auch zum Außenminister. Bismarck hielt, was man sich von ihm erhofft hatte, und Wilhelm I. regierte 26 weitere Jahre als preußischer König. Als nach seinem Tod, 1888 sein Sohn Kronprinz Friedrich Wilhelm zum preußischen König gekrönt wurde, war dieser bereits so schwer an Kehlkopfkrebs erkrankt, dass er nicht mehr sprechen konnte, und die 99 Tage bis zu seinem Tod nur noch unter größten Schmerzen regieren konnte.

Autor: Gerhard Großkurth, Januar 2004