Otto von Bismarck

Oberschwaben: Mitleidlose Habgier

Jugendliche erpressen 17.000 Euro von Zehnjährigem


Mai 2010: "Mir könne't alles ... " so etwas, oder vielleicht auch gar nichts muss sich eine Reihe von Schülern einer schwäbischen Gemeinde nordöstlich Ulm gedacht haben, die weitgehend unabhängig voneinander einen 10jährigen erpressten, ihnen insgesamt 17.000 Euro aus dem Ersparten seiner Eltern zu beschaffen.

Das auffällige an diesem Fall ist, dass es sich hier nicht um eine Jugendbande aus dem Migrantenbezirk einer Großstadt handelt, sondern um Söhne aus der guten Stube Schwabens, die, weitgehend unabhängig voneinander, von ihrem Opfer immer neue und immer höhere Beträge erpressten.

Den Anfang machte nach bisherigen Ermittlungen ein zwölfjähriger, der im gleichen Ort wie das Opfer wohnt. Er drohte dem 10jährigen wiederholt damit, dass er von seinem als roh und gewalttätig geltenden älteren Bruder zusammengeschlagen würde, wenn er nicht das geforderte Geld beschaffen würde. Da die Eltern des Opfers eine größere Menge Bargeld in ihrer Wohnung aufbewahrten, konnte der als Hauptäter geltende 12jährige so zunächst unbemerkt immer neue und immer größere Beträge erpressen.

Möglicher Weise weil er sich damit vor Mitschülern gebrüstet hat, wurde das Verbrechen einem größeren Personenkreis bekannt, von denen jedoch keiner in dem Sinne reagierte, dass er dem 10jährigen half, die Schulleitung, die Polizei oder die Eltern verständigte. Statt dessen zeigte man Geschäftssinn und stieg mit eigenen Erpressungsszenarien ein. So bot ein 15jähriger dem Opfer seinen "Schutz" an, wenn er künftig an ihn bezahlen würde, ein anderer forderte Schweigegeld, andernfalls er die Eltern des 10jährigen über das entwendete Geld informieren würde, der jüngste Erpresser soll elf Jahre alt gewesen sein.

Wie lange dies noch so weitergegangen wäre, und vor allem, welch tragischen Ausgang es hätte nehmen können, bleibt Gott, oder besser einem Zufall sei Dank Spekulation. Die Eltern eines der mutmaßlichen Täter entdeckten in seiner Tasche einen ungewöhnlich großen Geldschein. Nachdem sie Auskunft über dessen Herkunft verlangten, gestand dieser schließlich die Erpressung, woraufhin die Eltern die Schulleitung und diese die Eltern des Opfers und die Polizei informierte.

Der Hauptverdächtige, gegen den inzwischen wegen räuberischer Erpressung ermittelt wird, betreitet nach wie vor jede Beteiligung. Da gegen die Jugendlichen aufgrund ihres Alters kein Strafverfahren eingeleitet  werden kann, ist zur Zeit noch völlig offen, ob und welche Konsequenzen die Taten haben.

gfg mit Material von SPIEGEL ONLINE, dpa und ddp.